Private Reden

Früher war es Gang und Gäbe, dass das Familienoberhaupt bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheit das Wort ergriff. In ganz schlimmen Fällen mussten dann auch noch andere Familienmitglieder reden und es wuchs sich nicht selten zu einem Alptraum aus, wenn nach einer halben Stunde die Suppe kalt, der Sekt verperlt und schal und die Festgemeinde am untersten Ende der Stimmungsskala angekommen war. Das ist heute zum Glück gänzlich anders.

Heute wird jedoch leider fast gar nicht mehr geredet; selten nur traut sich jemand, ein paar gesetzte Worte zur Hochzeit der Kinder oder zu Mutters 75. Geburtstag zu formulieren oder auf einer Trauerfeier das Leben des Verstorbenen gekonnt zu würdigen und der Trauergemeinde Trost zuzusprechen. Gerade die Trauerrede ist eine wichtige und gleichsam die schwierigste Disziplin. Gerne wird der Verstorbene so beschrieben, dass ihn keiner mehr wieder erkennt, weil nur das Gute erwähnt wird. Vor allem wird gerne der Fehler gemacht, die lustigen und tröstlichen Geschichten nicht zu erzählen aus Angst, die Trauernden müssten Lächeln. Dabei ist aber genau das das Schönste an einer Beerdigung, wenn die abschiednehmenden Freunde ein letztes Mal mit dem toten Freund lächeln oder auch in ihrem Schmerz die Dankbarkeit erleben, dass sie mit dem Toten eine schöne Zeit hatten.

Und weil eben die teils hohe Kunst der Familienrede in Vergessenheit geraten ist, ist es empfehlenswert, mit einem Reden-Gestalter die Rede vorzubereiten.

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